Gestalttherapie

Was ist Gestalttherapie?


Die Gestalttherapie wurde in den 1960er Jahren von Frederik „Fritz“ S. Perls, aus der Tiefenpsychologie und der Psychoanalyse entwickelt. Innerhalb der Gestalttherapie wird zwischen „offenen“ und „geschlossenen“ Gestalten unterschieden. Perls beschreibt eine geschlossene Gestalt als eine Art der Homöostase, also einen Zustand des Gleichgewichts zwischen zwei verschiedenen Zuständen.   Wenn dieses Gleichgewicht gestört ist, beschreibt Perls dies als eine Neurose und spricht von einer „offenen Gestalt“. Diese Neurose ist der Zustand, in dem Bedürfnisse falsch priorisiert werden. Man konzentriert sich dabei darauf ein Bedürfnis zu decken, das für das eigene Wohlbefinden nicht die oberste Priorität hat. Dadurch werden Bedürfnisse vernachlässigt, die in ihrer Priorisierung weit höher liegen und somit für das eigene Wohlergehen weitaus relevanter wären. Die Gestalt gilt als „geschlossen“, wenn man sich von anderen abgrenzen kann, wenn man sein eigenes Bedürfnis spürt, es entsprechend priorisiert und die eigenen Taten zur Erfüllung dieses Bedürfnisses führen.

 Des Weiteren wird in der Gestalttherapie zwischen den verschiedenen Seiten einer Person unterschieden. Zum einen gibt es das „Über-Ich“, das uns selbst als das Beste darstellt. Es lässt uns glauben, dass wir besonders und etwas mehr als nur ein Mensch sind.  Das „innere Kind“ hingegen repräsentiert ungefiltert unsere Bedürfnisse, während das „Ich im Hier und Hetzt“ das Resultat aus Wissen, Erfahrung und Trauma darstellt und eine Momentaufnahme unserer Taten widerspiegelt. Dies bedeutet, dass wir gemäß unserem momentanen Wissen handeln, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen.  Außerdem spielt das „Gegenüber“ ebenfalls eine große Rolle innerhalb der Gestalttherapie, da davon ausgegangen wird, dass Veränderung und Reflektion nur mit einem Gegenüber möglich sind.

 Eine Gestalt gilt demnach als „geschlossen, wenn das „Über-Ich“, das „innere Kind“ und das „Ich im Hier und Jetzt“ im Einklang miteinander sind. Wenn das Bedürfnis, das wir befriedigen wollen, auch mit einem Gegenüber in Verbindung steht, wird dieses ebenfalls Bestandteil der Gestalt. 

Um das Verständnis von Bedürfnissen zu erleichtern, spricht Perls von „Figuren“ und „Hintergrund“. Ein Beispiel dafür wäre folgende Geschichte: wenn ein Löwe eine Gazelle jagt, wird die Gazelle vor dem Löwen weglaufen, da das höchste Bedürfnis der Gazelle das Überleben ist. Jedoch verliert die Gazelle bei ihrer Flucht ihre Kraft und ihre Lunge droht zu kollabieren. Die Gazelle wird nun aufhören, vor dem Löwen davon zu laufen, da die kollabierende Lunge nun die akutere Gefahr für ihr Leben darstellt als der Löwe. Hier wird die Lunge zur „Figur“ und der Löwe rückt in den „Hintergrund“, was verdeutlicht, dass es immer eine Bedürfnispriorisierung geben muss. 

Nach genau dieser Priorisierung sucht die Gestalttherapie. Wir müssen lernen, unsere Bedürfnisse nach Prioritäten zu ordnen, um auf diese Weise nach Wegen zu suchen, diese ausreichend zu erfüllen.   Ein weiterer Aspekt der Gestalttherapie ist, dass nicht nach dem „Warum?“ gefragt wird, sondern nach dem „Wie?“. Wie machst du etwas? Wie verhältst du dich in der bestimmten Situation? Wie fühlt es sich an? Die Antworten auf diese Frage werden ein deutlicheres Bild abgeben als Antworten auf das „Warum?“. Das „…,weil…“ lässt sich aus beiden Fragen generieren, doch das „Wie?“ betrachtet die Gegenwart und bezieht sich auf Tatsächliche Handlungen, während sich das „Warum?“ auf Spekulationen der Selbstreflektion einer in der Vergangenheit liegenden Aktion bezieht. Zu wissen, warum etwas getan wurde, hilft nicht dabei zu verstehen, wie es getan wurde, wodurch sich auch nicht ableiten lässt, wie man die Handlung in Zukunft ändern kann.





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